Kindred: Verluste aufgrund regulatorischer Kosten

Alexander Wellinger

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  • Published on: September 30, 2019
  • Last modified: October 4, 2019

Der lizenzierte Glücksspielanbieter Kindred aus Maltred hat seine H1-Ergebnisse veröffentlicht und behauptet, durch die schwedischen Regulierungskosten belastet zu sein. Trotz eines Umsatzanstiegs war ein Gewinnrückgang zu verzeichnen. Der neu regulierte Glücksspielmarkt Schweden hat seit Jahresbeginn unter vergleichsweise strengen Auflagen seine Pforten geöffnet. Hier sind die wichtigsten Informationen.

Kritik an der schwedischer Lizenzverordnung

Kindred, der Eigentümer von Unibet und 32Red, hat seine Ergebnisse für das erste Halbjahr vorgelegt und die hohen regulatorischen Kosten in seinem Heimatmarkt Schweden für einen Ergebnisrückgang im zweiten Quartal verantwortlich gemacht. Obwohl Kindred im ersten Halbjahr einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahr verzeichnete, war das Ergebnis dennoch rückläufig: Der Bruttogewinn des Unternehmens ging gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent zurück.

Laut Geschäftsführer Henrik Tjärnström war dies „teilweise auf neue regulatorische Kosten in Schweden zurückzuführen.“ Schwedens Lizenzkosten wurden in den letzten Monaten wiederholt vom CEO kritisiert. Tjärnström weiter im Zitat: „Wie wir bereits seit einiger Zeit hervorgehoben haben und wie wir im ersten Quartal 2019 gesehen haben, hat die neue Lizenzverordnung in Schweden zu einem kurzfristigen, aber erheblichen Margendruck geführt – durch höhere Wettgebühren und eine stärkere Vermarktung. Wir haben eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorquartal verzeichnet, aber der EBITDA-Beitrag liegt immer noch unter 9,2 Mio. GBP im Vergleich zum zweiten Quartal des Vorjahres.”

Insgesamt stabile Entwicklung

Insgesamt ist die Entwicklung des börsennotierten Betreibers stabil: Kindred verzeichnete im ersten Halbjahr 2019 trotz deutlich gestiegener Betriebskosten ein Umsatzplus von sechs Prozent auf umgerechnet 505,1 Millionen Euro. Das Wachstum war zum Teil auf einen Anstieg zurückzuführen: Im Bereich Sportwetten stieg der Umsatz von 117,9 Mio. EUR auf 122,4 Mio. EUR. Dieser Wachstumsschub ist im Q2-Vergleich umso bemerkenswerter, als Kindred hier aufgrund der FIFA WM 2018 mit einer schwierigen Vergleichsperiode zu kämpfen hatte. Aber wie bereits angedeutet, verzeichnete das Unternehmen neben einer Erhöhung der Wettgebühren um bis zu 32 Prozent auch eine Steigerung der Umsatzkosten um 19 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) betrug damit rund 68,3 €. Zum Vergleich: Das EBITDA des Vorjahres lag bei rund 99 Millionen Euro.

Im Berichtszeitraum verringerte sich das Bruttoergebnis um drei Prozent auf rund 252,5 Millionen Euro. Infolge der höheren Marketing- und Verwaltungskosten, sank das operative Ergebnis gegenüber dem Vorjahr um mehr als 50 Prozent auf rund 41 Millionen Euro. Darüber hinaus verringerte sich das Ergebnis vor Steuern um 32 Prozent auf rund 36,4 Millionen Euro und der Jahresüberschuss um 50 Prozent auf rund 31,1 Millionen Euro.

Höchste Marketingkosten seit 2013

In einer Präsentation sprach Tjärnström auch von gestiegenen Marketingausgaben im zweiten Quartal als Grund für die Verluste – die Marketingkosten (rund 120 Millionen Euro) sind die höchsten seit 2013, mit Ausnahme des WM-Jahres 2018. Kindred wird dies jedoch weiterhin in moderne Technologien und in den US-amerikanischen Sportwetten-Markt investieren, der seit Mai 2018 legalisiert wurde. Der CEO erklärte:

„Investitionen können sich kurzfristig auf die Rentabilität auswirken, wir sind jedoch zuversichtlich, dass sie das künftige Wachstum der Bruttogewinne und Gewinne in unseren lokal lizenzierten Märkten vorantreiben werden. Die Schlüsselfaktoren sind zukünftige Investitionen in den USA.“

Zum besseren Verständnis: Der reformierte Glücksspielmarkt in Schweden ist seit Jahresbeginn geöffnet. Inzwischen sind eine ganze Reihe europäischer Anbieter auf den Markt gekommen, darunter namhafte Unternehmen wie z. B. LeoVegas, Mr Green oder Betsson. Insgesamt wurden über 70 Lizenzen vergeben, allerdings gegen strenge sowie teure Auflagen der örtlichen Aufsichtsbehörde Spelinspektionen. Der Antrag auf Zulassung von Online-Casinospielen kostet umgerechnet 38.000 Euro. Wer Online-Casinos plus Sportwetten anbieten möchte, zahlt 74.000 Euro. Für den Bruttoumsatz gilt zusätzlich ein Steuersatz von 18 Prozent.

Darüber hinaus sind die Werbeanforderungen des Landes für „übertriebene Verdienstmeldungen” besonders streng. Pop-up-Werbung ist absolut verboten und alle Marktteilnehmer müssen ein national anerkanntes Selbstausschlusssystem durchlaufen. Die Tatsache, dass die Behörden dies ernst nehmen sollen, wurde kürzlich durch den Entzug der Lizenz für „Global Gaming“ bewiesen. Dem Betreiber wurde vorgeworfen, seine Wettlimits auf mehreren Websites nicht ausreichend überprüft zu haben. Konkret ging es um die Gaming-Aktivitäten von zehn Kunden, die nach Angaben der Behörden erhebliche Summen zwischen 50.000 und 1,1 Mio. SEK ausgegeben haben, ohne dass der Anbieter die Kunden überprüft hat. In Schweden gilt laut Gesetz eine Betriebsgrenze von 10.000 SEK (~ 1.053 Euro). Übrigens führt das ehemalige Staatsmonopol Svenska Spel den neu regulierten Markt weiter an. Alleine im ersten Quartal 2019, beliefen sich die Gesamteinnahmen aus Online-Casinos auf 86,9 Millionen Euro.

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